Im Juli 1977 eröffnete an der Brauerstrasse 30 im Zürcher Chreis Cheib ein Etablissement, das man so noch nie in der Schweiz gesehen hatte: Gotthard "Gody" Müller junior hatte kurz zuvor die Immobilie von seinem Vater geerbt, einem Wirt und ehemaligen Volksmusikanten. Doch statt weiterhin den Gästen vom Restaurant "Wyli" eine Stange Bier zu servieren, entschloss sich der Junior für nackte Tatsachen: In einer Peepshow konnte die Kundschaft mit etwas Münz eine Kabine betreten und dort für ein paar Minuten durch ein Glasfenster eine Stripperin beobachten.
Die Idee hatte Gody aus München, wo ein Jahr zuvor die erste Peepshow Europas in München eröffnet hatte. In Zürich wurde der Laden fortan als "Stützli-Sex" bekannt - weit über die Stadtgrenzen hinaus. Bald schon kamen Herren auch von ausserhalb angereist und gaben den Quartierbewohnern Anlass zur Sorge, ihre Nachbarschaft werde schon bald zu einem überlaufenen Millieu-Brennpunkt - so zeigt es der Bericht aus dem Videoarchiv vom SRF.
Die Damen, die auf der drehbaren Bühne vom Stützli-Sex ihre Hüllen fallen liessen - oftmals Hausfrauen und Studentinnen -, verdienten nicht schlecht: Bis zu 200 Franken am Tag gab es auf die Hand. Das Geschäft seines Lebens aber machte Gody Müller, innerhalb kürzester Zeit wurde der ehemalige Wirtesohn ohne Ausbildung zum Millionär. Doch ebenso schnell verprasste der schillernde "König des Stüzli-Sex" sein Vermögen auch wieder. Und als 1983 sein Etablissement aufgrund eines neuen kantonalzürcherischen Unterhaltungsgewerbegesetzes schliessen musste, ging Gody innerhalb weniger Jahre Konkurs.
2004 verstarb Gody Müller im Alter von 66 Jahren. Seine letzten Tage verbrachte er im Zürcher Heim "Sunneboge", nachdem er zuvor einige Zeit lang im Tessin vollkommen abgebrannt und an Diabetes erkrankt ein Leben als Obdachloser führen musste.